Nezamyslice - Kaplle sv. Erazima
Westlich der Kirche, außerhalb des Friedhofs, steht die Kapelle St. Erazima, gegründet bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Familie Lamberk, die 1707 die Güter Ráb und Žichovice kaufte, zu denen auch Nezamyslice gehörte, ließ 1860 die Kapelle reparieren und richtete darin eine Familiengruft ein. Da zu dieser Zeit auch der Friedhof in Salzburg, auf dem ihre Vorfahren begraben waren, abgerissen wurde, ließen sie die Grabsteine ihrer Vorfahren hierher transportieren. So entstand in der Kapelle eine einzigartige Sammlung hervorragender Grabsteine der Lamberks, überwiegend aus dem 16. Jahrhundert.
Das Innere der Kapelle ist auch wegen ihrer neugotischen Ausstattung interessant – Schnitzereien des Bildhauers Jan Rint, die leider kürzlich durch Vandalen und Diebe beschädigt wurden. Der Schnitzer Jan Rint, geboren 1814 in Kuks, arbeitete lange Zeit in der oberösterreichischen Metropole Linz, wo seine Kunst vom Maler und Böhmerwald-Schriftsteller Adalbert Stifter große Beachtung fand. Als führender Vertreter der damaligen Zentralkommission für Kunstdenkmalpflege veranlasste Stifter, dass der talentierte Rint mit der Restaurierung eines seltenen spätgotischen Altars am oberösterreichischen Kefermarkt beauftragt wurde.
Im Jahr 1859 empfahl Stifter Rint seinem Freund, Fürst Lamberk, der daraufhin bei dem Bildhauer Schnitzereien für das Pantheon seiner Vorfahren in Nezamyslice bestellte. Es war ein komplettes Set – Altar, Emporium, Bänke und Wanddekorationen. Der Entwurf des Altars stammt angeblich vom herausragenden österreichischen Architekten Heinrich Ferstel aus dem 19. Jahrhundert, dem Designer des Wiener Votivtempels und der Universität. Die Zeichnungen für die Wanddekorationen stammen vom Sohn des Schnitzers Josef Rint.
Die Kapelle ist nur während einiger wichtiger Veranstaltungen in Nezamyslice für die Öffentlichkeit zugänglich.
Quelle: Informationszentrum des Dorfes Žihobce
